Die solide Theorie einer praktischen Methode
Kelly's Theorie besagt, dass es keine objektive Realität oder absolute Wahrheit gibt, sondern dass sich jeder Mensch sein eigenes Weltbild konstruiert. Mit seinem Ansatz grenzte sich Kelly sich von den damals vorherrschenden Denkrichtungen des Behaviorismus auf der einen und der tiefenpsychologischen Betrachtungsweisen auf der anderen Seite ab, da sie, wie er meinte, durch die Trennung von Denken, Fühlen und Handeln der Vielseitigkeit des Betrachtungsgegenstands nicht genügend Rechnung tragen würden. Er übernahm aber durchaus Teile und Ideen dieser Theorien und entwickelte eine Zwischenposition. Aus heutiger Sicht weisen Theorie und Anwendung der Methode unübersehbare Ähnlichkeiten zum Kognitivismus und zum systemischen Ansatz auf. Kelly sieht den Menschen als Forscher, der ständig auf der Suche nach Antworten ist, um seine Wahrnehmung der Realität zu verbessern. Der Mensch geht seiner Meinung nach im Alltag wie ein Wissenschaftler vor. Er bildet Hypothesen über seine Umwelt, überprüft, d.h. verifiziert oder falsifiziert diese an seinen Alltagserfahrungen und modifiziert sie gegebenenfalls. Jede gegenwärtige Wahrnehmung der Realität kann also auch anders und neu interpretiert werden. Da der Mensch damit seine Realität selber schafft, ist er frei. Er ist der Besitzer seiner Erfahrung, die er, zumindest theoretisch, in alternativen Konstruktionen einsetzen kann. Demzufolge entstehen individuelle Konstrukte und Konstruktsysteme durch Erfahrung. Dieser Konstruktionsprozess, in dem das Individuum sich selbst, seine Umwelt und die Beziehung zueinander bewertet, ist für Kelly der Kern psychischer Existenz. Er ist jedoch nicht nur kognitiv, formal logisch und offenkundig, sondern wird immer von Emotionen begleitet. Als Resultat dieses Vorgehens ergibt sich für jeden Menschen ein subjektives Weltbild - sein persönliches Konstruktsystem - das für ihn handlungsleitend ist. Das bedeutet, dass sich jedes Individuum an seinem Konstruktsystem orientiert, wenn es Verbindungen zwischen mehreren Phänomenen einer Situation interpretiert. Diese Konstrukte sind idiosynkratisch (auf das besondere einer Person gerichtet) und in der Untersuchung idiographisch (bezogen auf die individuellen Eigenarten der Person). Weiterhin stellte Kelly fest, dass die Begriffsdimensionen der Konstrukte stets gegenläufige, selbstproduzierende Polaritäten aufweisen. Der Mensch konstruiert seine Umwelt mittels dieser polaren Konstrukte, indem er seine Erfahrungen dazu verwendet, zukünftige Entwicklungen vorauszusagen. Er trifft bewusst oder unbewusst Unterscheidungen, die für ihn handlungsleitend sind – d.h. er beurteilt Situationen, Menschen oder Dinge anhand von Eigenschaften z.B. „Firma XY ist innovativ“. Diese Unterscheidungen werden Konstrukte genannt. Ein Konstrukt ist immer eine dichotome Einheit. Wenn ich also etwas als „innovativ“ bezeichne, habe ich immer auch ein differenzierendes Gegenteil im Kopf z.B. „innovativ“ vs. „traditionell“. Die Anzahl solcher Konstrukte ist bei jedem Menschen für jeden Untersuchungsgegenstand begrenzt und stellt in ihrer Summe das Repertoire seiner Unterscheidungen dar. Die Repertory Grid Technik ist eine wissenschaftlich fundierte Methode, um das Repertoire von Unterscheidungen eines Menschen zu erfassen. sci:vesco - das derzeit modernste Repertory Grid VerfahrenMit der fortschreitenden Entwicklung der Computertechnologie und dank den Pionierarbeiten von Arne Raeithel, ist es uns jedoch möglich softwaregestützt größere Datenmengen zu verarbeiten (Multigridanalyse oder Multiple Grid Analyse). Damit ist die Methode, deren Potenzial in der Individualanalyse nie in Frage stand, auch für Gruppen-, bzw. Teamanalysen und große Befragungsstichproben, z. B. in der Marktforschung oder Organisationsanalyse interessant geworden. Die sci:vesco ermöglicht es sowohl emotionale und intuitive als auch rationale Faktoren in einer dynamischen, dreidimensionalen Präsentation anschaulich darzustellen. Der Effekt des schnellen Aufdeckens individueller Bewertungsmuster (verdeckte Konflikte, „hidden agendas“ Meinungen und Visionen) durch die Methode ist als Iterationsschritt gerade in dynamischen Situationen wie einem Merger oder einer strategischen Neuausrichtung von grundlegender Bedeutung. Rechtzeitig durchgeführt, ergeben sich massive Zeit- und Kostenvorteile wenn Konflikttendenzen schon im Ansatz erkannt werden. Ich will noch mehr wissen...Weitere Informationen zur Person George A. Kelly bzw. über den Repertory Grid finden Sie unter: Kostenloses PCP Online Journal "PERSONAL CONSTRUCT THEORY & PRACTICE" mit ständig neuen Artikeln rund um Kellys Theorie und Methodik: Personal Theory and Practice
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